
02 Armut und Armutsbekämpfung
Die gängigste Antwort auf diese Frage ist der Mangel an Geld oder Einkommen. Die wirkliche Definition geht aber weit darüber hinaus. Armut ist ein mehrdimensionales und komplexes Phänomen, was erklärt, weshalb es so viele Definitionen und Bemessungsarten es gibt. Armut geht über den Mangel an Ressourcen hinaus, denn Armut bedeutet auch ein Mangel an Rechte, ein Leben in Ausgrenzung und Diskriminierung.
Armut wird auf verschiedene Arten gemessen: Wenn wir von extremer Armut sprechen, bezeichnen wir Armut als Einkommensmangel, um Nahrungsgrundbedürfnisse zu decken. Relative Armut bezieht sich auf das soziale Umfeld eines Menschen, d.h. die Armutslinie wird auf Grund des durchschnittlichen wirtschaftlichen Wohlstandes eines Landes definiert und somit kontextspezifisch angeschaut. Die Armutslinie in der Schweiz ist also nicht dieselbe wie in Burkina Faso. Absolute Armut bezieht sich auf die Deckung der Grundbedürfnisse (Ernährung, Gesundheit, Bildung, Unterkunft) und ist weltweit auf 1 $ Einkommen pro Tag festgelegt. Absolute Armut definiert sich also nicht auf Grund der nationalen Gegebenheiten/Wohlstand eines Landes, was leichter internationale Vergleiche zulässt.
Um Armut bewältigen zu können, haben viele Regierungen von Entwicklungsländern Armutsbekämpfungsstrategien entwickelt und umgesetzt. Dieses Armutsbekämpfungsstrategiedokument (poverty reduction strategy papers: PRSP) beschreibt die makroökonomischen, strukturellen und sozialen Bedingungen und Programme eines Landes, um Wachstum zu fördern und Armut zu mindern, sowie daran gekoppelte externe finanzielle Bedürfnisse. PRSPs werden von Regierungen durch einen Partizipationsprozess vorbereitet, welches die Zivilgesellschaft und Entwicklungspartner einbindet. Auch Jugendorganisationen sollten bei diesem Partizipationsprozess miteingebunden werden.
Die PRSPs werden vom Internationalen Währungsfond (IWF) und der Weltbank verlangt, bevor ein Land für die Schuldenerleichterung in Betracht gezogen werden kann.
Die Milleniumsentwicklungsziele (MDGs), welche im Jahr 2000 von der UNO ins Leben gerufen werden, haben zum Ziel, bis 2015 die Armut zu reduzieren.
Armut ist verschieden in verschiedenen Gemeinden und Ländern und es gibt eine Vielzahl von Organisationen, die zum Thema Armut arbeiten.
Jugendprojekte können eine wichtige Rolle spielen, wenn Jugendliche nicht nur als Zielgruppe, sondern als aktive Akteure behandelt werden und das Projekt dem Kontext angepasst ist. Um die effektivste Strategie zu entwickeln, müssen folgende Punkte beachtet werden:
- Armutsverhältnisse und lokale Begebenheiten des Landes, in welchem das Projekt umgesetzt wird.
- Die Rolle, welche eure Jugendorganisation bei der Armutsbekämpfung einnimmt.
- Lokale Partner-Jugendorganisationen, welche zum Thema Armut arbeiten, sowie ihre Projekte und Initiativen, um gemeinsam Projekte umzusetzen.
Vorabklärungen um ein Projekt zur Armutsbekämpfung durchzuführen
Bevor ein Projekt im Bereich der Armutsbekämpfung initiiert wird, müssen folgende Fragen geklärt werden:
- Haben unsere Organisation und unsere Partnerorganisation die nötigen Ressourcen, Fähigkeiten und das Wissen um dieses Projekt zu starten?
- Ist es eine Priorität der lokalen Organisation, dieses Projekt zu machen? Kommt die Initiative von der Partnerorganisation? Ist das Projekt auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet, und auf die vorhergehenden Aktivitäten?
- Was kann mit diesem Projekt erreicht werden? Ist die Umsetzung realistisch und nicht zu ambitiös?
- Ist das Projekt nachhaltig und wird auch weitergeführt, wenn sich die Schweizer Jugendorganisation zurückzieht?
Ideen für Projekte zur Armutsbekämpfung
Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, um Armut zu bekämpfen. Für jede gewählte Strategie, um positive Ergebnisse zu gewährleisten, muss präzise definiert und geplant werden „Was werden wir tun“, „Wie werden ich es tun“ und am Wichtigsten „Welche Änderungen will ich mit dem Projekt erreichen“.
Folgende Ideen können in Projekten angewendet werden und zur Armutsbekämpfung beitragen:
- Jugendliche befähigen, um am wirtschaftlichen Wachstum teilzunehmen: Berufstraining und „small business“-Projekte
- Jugendpartizipation in der Gemeinde und anderen sozialen Aktivitäten und Bewegungen fördern
- Bildungsprojekte
- Konfliktprävention
- Gesundheitsprojekte und Prävention HIV/aids
- Weiterbildung zu Informations- und Kommunikationstechnologien
- Informationsarbeit zu den Menschenrechten
- Sensibilisierung und Bildung im Bereich Umweltschutz und Klimawandel
Links:
Dokumente Weiterbildungsanlass Südprojekt zum Thema Armutsbekämpfung
http://www.y4d.ch/sud/weiterbildungsanlaesse/archiv
Von Südprojekt unterstützte Jugendprojekte, welche zur Armutsbekämpfung beitragen
http://www.y4d.ch/sud/fondsvergabe/aktuelle-projekte
DEZA, Armutsreduktion
http://www.deza.admin.ch/de/Home/Aktivitaeten/Strategische_Ausrichtung/Armutsreduktion
Young caritas, Armut in der Schweiz
http://www.youngcaritas.ch
Amnesty International, Armut und Menschenrechte
http://www.amnesty.ch/de/themen/armut-und-menschenrechte
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